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Etwas zum nachdenken

Wenn man das erste mal Obdachlose auf Straßen sucht, dann weiß man nie, was einen erwartet. Am Anfang hat man schon Angst, wenn es finster ist und man solchen Leuten auf Bahnhöfen, Bushaltestellen, usw… begegnet.

Es spielt immer etwas Angst im Kopf herum. Man macht sich um sich selbst sorgen und man möchte sich so gut es geht schützen, damit uns nichts passiert. Aber es geht leider noch viel tiefer in einen hinein, wenn man vor einem leerstehenden Haus steht. Es ist alles finster. Kein Licht und keine Taschenlampe. Wenn man nur vor dem Haus steht, bekommt man es mit der Angst zu tun. Erst dann weiß man, was heißt, ein sicheres Zuhause zu haben. Was es bedeutet, wie wichtig es ist geschützt zu sein.

Dann kommt der Moment, man betritt das Haus. Es ist niemand zu sehen und dir ist das Herz das erste mal in die Hose gerutscht. Du gehst weiter, dann plötzlich hörst du ein Geräusch, man weiß nicht wo es herkommt oder was es ist. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder du läufst raus, oder du hast den Mut und gehst weiter. Um denen zu helfen, die es benötigen. Es spielen sich viele Gedanken in deinem Kopf ab. Das einzige was bleibt, ist der Gedanke an Gott, um ihn zu bitten, dass er dich beschützen möge.

Dann gehst du weiter. Weiter in einen nächsten Raum, du siehst einen Obdachlosen und du erschrickst dich so sehr, weil es einfach nur Angst ist, die du fürchtest. Man glaubt, dass man es gewöhnt wird, keine Angst zu haben. Aber das stimmt, die Angst begleitet uns überallhin. Aber man kann lernen, mit ihr umzugehen. Was für Ängste müssen diese Menschen gehabt haben, als sie die ersten Male allein an einem dunklen finsteren Ort verbracht haben? Wieviel Angst haben sie tagtäglich, dass ihnen jederzeit etwas schreckliches passieren kann. Ein Obdachloser hat wahrlich kein schönes Leben, auch wenn sie sich für diesen Weg entscheiden, ist tief in ihnen ein Wunsch, dass alles wieder so ist wie früher. Wenn man mit ihnen redet, man zuhört, lernt man sie verstehen. Man kann eintauchen in ihre Welt.

Einmal hat mich ein Obdachloser etwas besonderes gefragt.Er fragte mich, wieviel Probleme ich habe. Oder sogar wie frei ich wäre.

Ich sagte ihn, ich habe eine Wohnung, essen, trinken, einen Job, usw…

Er aber antwortete mir: siehst du, du hast dich um sehr viel zu kümmern, du musst dies und jenes bezahlen und und und…..

Ich muss mich nur um eines sorgen und das ist essen und trinken. Ich bin frei.

Er brachte mich zum nachdenken. Aber in diesem Punkt hatte er vollkommen recht. Aber er würde sein Leben gerne für ein gutes Leben tauschen wollen. Leider war er zu alt, um seine gewohnte Reise loszulassen. Er sagte: er kann niemanden mehr vertrauen, weil ihn die Menschen zu sehr enttäuscht hätten. Im gleichen Atemzug sagte er aber auch, dass er sich selbst am meisten enttäuscht hätte. Diese Geschichte geht noch weiter, aber ich möchte sie nicht hier weitererzählen.

Wieviele von uns würden ein verlassenes Gebäude betreten?

Wer hätte den Mut dies zu tun?

Im Gedanken verankert, dass man jemanden helfen kann.

Etwas zum nachdenken.

In Zuversicht euer

Phillip Ringo Nussbaumer

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